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Astrid Teil 2

… das Ding muss raus…

 

Vier Wochen später war es dann soweit: der OP Termin. Ich hatte die Angst meines Lebens, ich bin in dieser Hinsicht echt ein schwieriger Fall. Ich musste gefühlt ewig warten, obwohl ich angeblich als erste auf dem Plan stand. Statt um 8 Uhr wurde ich erst halb 12 abgeholt und dann hab ich noch im Vorbereitungsraum zwei Stunden gewartet. Ich glaube, es war halb 2 ehe ich rein gefahren wurde. Die OP an sich sollte eine Stunde dauern, hat dann aber doch über drei Stunden gedauert. Die Narkose hab ich gut vertragen, aber so richtig zu mir gekommen bin ich erst, als ich schon vom Aufwachraum in mein Zimmer gefahren wurde. Der erste Blick unter die Decke war erschreckend. Vier Löcher statt erwarteten drei, Katheter und Drainage. Alles nicht schön. Immer wenn mich jemand gefragt hat, ob ich noch Schmerzmittel bräuchte, hab ich ja gesagt, egal, wie die Lage war und ich muss sagen, diese Taktik hat sich gut bewehrt. Es war ok. Die letzte Dosis hab ich glaub 18:00 bekommen und mir wurde gesagt, dass Mitternacht noch jemand kommt und nochmal was gibt. 23:30 bin ich aufgewacht, weil ich es fast nicht mehr ertragen hätte. Mir tat die Schulter weh. Höllisch. Als wäre sie ausgekugelt. (Übrigens häufig nach Laparoskopie) Ich hab nicht geklingelt und die Dosis um Mitternacht war rettend. 

Am nächsten Tag ließen die Schulterschmerzen nach. Mein größtes Problem war, dass mir immer noch keiner erzählt hatte, was nun jetzt eigentlich gerettet werden konnte und was nicht. Diese Ungewissheit war echt nicht schön… es gehen einem hundert Sachen durch den Kopf… drei statt einer Stunde, was könnte bloß passiert sein…. Irgendwann am Mittag kam dann mein Operateur. Er war offensichtlich im Stress und meinte nur ganz kurz ,wie es mir ginge und dass der Eierstock noch drin ist und dass es sehr kompliziert war, weil ich im ganzen Bauchraum verteilt Endometriose habe. Wenn alles ok ist, dann könnte ich in 3-4 Tagen heim. (Übrigens absolutes Besuchsverbot. War ätzend)

 

Was in meinem Kopf nun vorging, war eigentlich zu aller erst Erleichterung. Mein Eierstock ist noch da. Alles an Ort und Stelle. Was die Info mit der Endo eigentlich bedeutet, war mir nicht bewusst in diesem Moment. Es war egal, mit meinen Organen war (in meinen Augen) alles in Ordnung, das hat gezählt. Die Erkenntnis, dass es jetzt eine Diagnose gibt, kam erst später. Jetzt im Alter von 24 Jahren gibt es endlich eine Diagnose.

 

Die Tage im Krankenhaus verliefen rückblickend ganz ok. Ich hab viel geweint, weil ich dachte, die wollen mich verhungern lassen, aber letztendlich hab ich es überlebt und war heilfroh wieder heim zu kommen.

 

 

… und wie geht’s jetzt weiter?…

 

Schon vor der OP wurde mir von einer Bekannten ans Herz gelegt nach einer Reha zu fragen. Das war das Beste, was passieren konnte. Ich war nach der OP ein paar Wochen Zuhause und bin dann zur Reha nach Bad Schmiedeberg. 

 

Ich kann das wirklich nur jedem empfehlen. Dort lernt man erst einmal, was man eigentlich hat und die verschiedenen Wege damit um zu gehen. Man lernt neue Freunde kennen und merkt, dass man nicht allein ist. Man lernt auch noch weit schlimmere Schicksale kennen und ist dankbar für Verständnis und Mitgefühl von seinen Mitmenschen. Trotz Corona verbrachten wir dort eine wunderbare Zeit an die wir uns noch lange erinnern werden.

 

 

… wie sieht’s heute aus?…

 

Ich wurde 10 Tage nach der OP auf die „Zafrilla“ eingestellt. Ein Hormonpräparat, was ich durchgängig nehme und welches die Neubildung von Gebärmutterschleimhaut unterdrücken soll. Ja, eigentlich genau das, was ich nicht wollte. Mein Zyklus wird sozusagen unterdrückt, so dass ich meine Tage gar nicht mehr bekomme. Das, was ich an meinem Körper während der hormonfreien Zeit kennen gelernt hab, hat sich wieder verabschiedet. Allerdings habe ich die Wahl zwischen den Medikamenten oder in drei Jahren wieder auf dem OP Tisch zu liegen. Da muss man eine Entscheidung treffen.

 

Ich hatte ungefähr ein Viertel Jahr zu tun, weil ich immer wieder Schmierblutungen hatte, aber seither nie wieder. Wie jedes Medikament hat auch dieses seine Nebenwirkungen, ähnlich wie die der Pille.

 

Weiterhin habe ich immer noch Beschwerden, wenn ich auf Toilette muss oder beim Geschlechtsverkehr, allerdings im Vergleich zu vorher sind das Peanuts.

 

 

… komm zum Punkt….

 

Ich muss sagen, ein Jahr nach diesem ganzen Theater: im Großen und Ganzen geht es mir gut. Es gibt immer wieder Höhen und Tiefen, und gute und schlechte Phasen, aber ich versuche das Beste daraus zu machen. Ich genieße jeden schmerzfreien Tag und ich genieße, keine Regelblutung zu haben, und ich habe einen verständnisvollen Partner, der auch mit wenig Sex zufrieden ist. 

 

 

Was ich euch mitgeben möchte:

 

Verliert nicht euren Mut! Ja, es ist eine chronische Krankheit und es ist echt nicht schön, aber ihr seid niemals alleine. Versucht euch selbst nicht nur auf die Krankheit zu reduzieren, sondern findet den Mut euren Weg trotzdem zu gehen. Es ist wirklich wichtig, dass sich nicht plötzlich alles nur noch um die Krankheit dreht! Ja, sie ist ein großes Thema und ein Teil von dir, aber gib dich selbst niemals auf. Deine Wünsche und Träume kannst du auch mit Endometriose verwirklichen! Heulen ist OK, aber danach Immer wieder positiv bleiben und nicht unter kriegen lassen!

 

 

Alles Gute!